# 89 Ein Bogen, der nicht für Menschen gemacht scheint
# 89 Ein Bogen, der nicht für Menschen gemacht scheint

# 89 Ein Bogen, der nicht für Menschen gemacht scheint

Rama und Sita, wie alles begann

Sita, die Tochter des Königs Janaka von Mithila, gilt als außergewöhnlich schön, klug und würdevoll. Viele mächtige Könige und Prinzen möchten sie heiraten. Doch Janaka will seine Tochter nicht einfach dem mächtigsten oder reichsten Bewerber anvertrauen.

Er besitzt einen besonderen Schatz: Shivas Bogen.

Die gewaltige Waffe soll einst dem Gott Shiva gehört haben. Sie ist so schwer und mächtig, dass selbst die stärksten Männer sie nicht bewegen können. Janaka macht daraus eine Prüfung: Derjenige, der den Bogen anheben und spannen kann, soll Sita zur Frau bekommen.

Viele kommen nach Mithila. Einer nach dem anderen versucht, den Bogen zu bewegen. Sie stemmen sich dagegen, greifen nach ihm, setzen ihre ganze Kraft ein – doch der Bogen bleibt unbewegt.

Dann erscheint Rama.

Der junge Prinz von Ayodhya tritt vor den gewaltigen Bogen. Er versucht nicht, seine Stärke zu demonstrieren. Er kämpft nicht gegen ihn. Rama nähert sich ihm ruhig und ehrfürchtig, hebt ihn an und beginnt, ihn zu spannen.

Und dann geschieht das Unerwartete:

Der Bogen zerbricht.

Der gewaltige Knall erschüttert die Halle. Für einen Moment scheint die ganze Welt den Atem anzuhalten. Rama hat die Waffe nicht absichtlich zerstört. Doch die uralte Kraft des Bogens kann seiner eigenen Stärke nicht standhalten.

Für König Janaka ist damit klar, dass Rama derjenige ist, dem er seine Tochter anvertrauen möchte.

Sita tritt hervor und legt Rama eine Blumengirlande um den Hals. Ihre Wahl ist damit besiegelt.

So beginnt die gemeinsame Geschichte von Rama und Sita.

Doch diese Hochzeit war nicht das Ende einer Liebesgeschichte – sie war erst der Anfang einer Lebensgeschichte.

Kraft, die nicht laut werden muss

Gerade der Moment mit dem Bogen ist für mich auch deshalb spannend, weil Rama hier eine besondere Form von Stärke verkörpert.

Die anderen Männer versuchen, den Bogen mit sichtbarer Anstrengung zu bezwingen. Rama hingegen bleibt ruhig. Seine Kraft muss sich nicht ankündigen. Sie braucht keine großen Gesten und kein Beweisenwollen.

Das erinnert an eine Qualität, die wir auch auf der Yogamatte erfahren können: Kraft und Ruhe sind keine Gegensätze.

Eine passende Asana zu dieser Geschichte ist deshalb Virabhadrasana II – der Krieger II.

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