Sagt meine Lieblings-Asana etwas über mich aus? Teil 1
Sagt meine Lieblings-Asana etwas über mich aus? Teil 1

Sagt meine Lieblings-Asana etwas über mich aus? Teil 1

Jeder, der Yoga praktiziert, hat sie. Die Lieblings-Asana.

Ich bereite mich auf jede meiner Yogastunden (die ich unterrichte) vor. 

Dazu habe ich ein Blatt Papier, auf dem ich zum Beispiel den fertigen Flow für die Vinyasa-Stunde mit Strichmännchen aufmale.

Anja Eva Keller AnjaYoga Lieblings-Asana

Ich schmeisse diese losen Blätter dann nach der Stunde nicht weg, sondern lege sie in einen Ordner. Irgendwann schaue ich diesen dann durch. Manchmal zur Inspiration, manchmal um zu schauen, welche Schwerpunkte wir letzten Monat hatten etc.

Als ich neulich mal wieder durch meine Sammlung geschaut habe, ist mir bewusst geworden, dass ich eindeutige Lieblings-Asana habe. 

Klar, ich verwende gerne solche Asanas in meinen Stunden, die ich auch selbst gerne praktiziere.

Aber sagt es eigentlich auch etwas über mich aus, wenn ich bestimmte Asanas bevorzuge?

Yoga-Praxis kann viele Fragen beantworten

Ich sage ja immer, dass ich auf der Yogamatte Werkzeuge wie Geduld oder Durchhaltevermögen erlerne, die ich dann im Alltag verwenden kann. Die Yoga-Praxis ist wie ein Spiegel in den ich schauen kann um etwas über mich zu erfahren. Während ein Wandspiegel mir aber lediglich sagen kann, wie ich äusserlich ausschaue, kann mir die Yoga-Praxis viele weitere Fragen über mich beantworten, wie: 

Wie gehe ich mit einer Herausforderung um? 

Wie fühle ich mich? 

Wo will ich hin?

In dieser Artikel-Reihe geht es jetzt nicht in erster Linie darum, dir Anleitungen für die jeweiligen Asanas zu bieten, oder über korrekte oder inkorrekte Ausführung einer Asanazu sprechen. Dazu findest Du allerdings ein paar Tipps ganz am Ende des Artikels.

Dies ist ein Erklärungsversuch, meine Lieblings-Asana mit Persönlichkeitsmerkmalen in Verbindung zu bringen.

Ich habe mir drei meiner Lieblings-Asanas rausgepickt und vergleiche sie mit mir selbst. Im Teil 1 dieser Artikel-Reihe schauen wir uns die Welt auf dem Kopf an:

Anja Eva Keller AnjaYoga Lieblings-Asana

Lieblings-Asana Herabschauender Hund

In Englisch Downwardfacing Dog oder Downdog genannt, ist diese Asana sicher eine der bekanntesten überhaupt. Selbst Nicht-Yoga Praktizierende haben davon schon mal was gehört. 

Diese vielseitige und vielschichtige Pose kommt ständig vor: wir finden den (in Sanskrit bezeichneten)  Adho Mukha Svanasana im Sonnengruss wieder, als Übergang in Vinyasa Stunden, beim Hatha, und besonders beliebt bei schweisstreibenden und sogenannten „Power Yoga“ Stunden. Was bei erfahreneren Yogis einfach und elegant ausschauen kann, mag für Anfänger jedoch eine Herausforderung sein.

Sich seiner Körperrückseite bewusst werden

Ich finde, es gibt keine bessere Asana als den herabschauenenden Hund, um mir meiner Körperrückseite positiv bewusst zu werden. 

Meine Körpervorderseite hingegen kann ich sehen, leichter anfassen und bin mir daher dieser Seite meines Körpers eher bewusst.

Meine Körperrückseite bemerke ich oft erst, wenn es irgendwo zwickt. 

Im Downdog jedoch geniesse ich das Gefühl der Dehnung meiner gesamten Körperrückseite, angefangen bei den Achillessehnen, Waden und Oberschenkelrückseite, über den gesamten Rücken bis zum Nacken. Gleichzeitig kann ich meinen Brustkorb und Schulterbereich dehnen. Und dabei wird mein gesamter Körper auch noch aktiviert und gestärkt.

Manchmal verliere ich in einer Vinyasa Stunde meinen Atemrhytmus, aber im herabschauenden Hund gelingt es mir immer, mich wieder auf meine Atmung zu konzentrieren. Trotz des ansprucksvollen Teils des Adho Mukha Svanasana mit Kräftigung und Aktivierung, kann ich dabei auch gut entspannen und meinen eigenen psychischen Vorgang gut beobachten und analysieren. Hilft also auch beim Stressabbau. 

Das liegt sicher auch daran, dass ich den herabschauenden Hund als ‚intime’ Pose erachte. Ganz wie die ‚Position des Kindes’ ist man auch im downwardfacing Dog in sich gekehrt.

Gehört zu den Basis-Umkehrhaltungen

Der energetisierende herabschauende Hund ist eine der Basis-Umkehrhaltungen. Als Umkehrhaltungen bezeichnen wir solche Posen, in denen das Herz oberhalb des Kopfes ist. 

Ganz typisch zum Beispiel der Handstand.

Klasse also, um hin und wieder mal die Sichtweise zu ändern, und sich die Welt andersherum anzuschauen. Ich liebe Umkehrhaltungen!

Ausserdem inspiriert mich der herabschauende Hund zu mehr Durchhaltevermögen,  Selbstbewusstsein und macht gute Laune.

Ich liebe herausfordernde Ganzkörper-Asanas im Stehen in meiner Yoga Praxis. Kein Wunder also, dass der herabschauende Hund gut zu mir passt und mein Lieblings-Asana ist.

Geht es Dir auch so? Hast Du auch eine Lieblings-Asana und welche ist es? 

Ich freue mich wirklich und ganz aufrichtig über jede Nachricht, gerne per email an anja@talkwellness.at.

anjayoga

Tipps für deinen Herabschauenden Hund:

  1. Ein guter Ausgangspunkt ist das Brett: der Abstand zwischen Händen und Füssen im Brett ist schon mal ein guter Anfang für einen Herabschauenden Hund. Wie auch im Brett verteile ich mich mein Gewicht auch im Herabschauenden Hund gleichmässig auf Hände und Füsse.
  2. Ich setze meine Hände gerne ganz leicht ausgedreht auf die Matte, nicht nur im Herabschauenden Hund: dabei zeigen meine Zeigefinger gerade nach vorne, nicht meine Mittelfinger. Dies hilft mir, um meine Armbeugen nach vorne auszudrehen, was wiederum Schulter, Brust und Schulterblätter ideal aktiviert. Ich spreize meine Finger deutlich, und setze sowohl die gesamte Handfläche, als auch jeden einzelnen Finger komplett auf die Matte auf. Es fühlt sich so ein bischen an, als wolle ich meine Matte von mir wegschieben.
  3. Wenn du wie ich Probleme in den Schultern hast, magst Du vielleicht auch die Hände etwas breiter als schulterbreit aufsetzen.
  4. Ich versuche meinen Rücken so lang wie möglich zu machen, dabei lasse ich Nacken und Kopf entspannt. Das gelingt mir am besten, wenn ich auf meine Knie schaue. Meine Gesässknochen ziehen Richtung Decke.
  5. Die Beine sollten sich irgendwann möglichst lang strecken, fast bis zur Geraden. Den meisten Anfängern gelingt das nicht, daher lässt man dann die Knie lieber gebeugt und konzentriert sich auf die Streckung im Rücken. Die Fersen ziehen Richtung Boden, müssen aber nicht unbedingt aufsetzen.
  6. Im klassischen Herabschauenden Hund sind die Füsse hüftbreit auseinander und gerade ausgerichtet. Das heisst die Zehen zeigen gerade nach vorne. Wenn ich manchmal aus meiner Komfortzone herauskommen möchte, drehe ich meine Füsse auch schon mal ein bischen einwärts.