# 78 Aus Liebe geformt – die Geschichte von Parvati und Ganesha
# 78 Aus Liebe geformt – die Geschichte von Parvati und Ganesha

# 78 Aus Liebe geformt – die Geschichte von Parvati und Ganesha

Muttertag ist gerade vorbei. Ein Tag, der – je nach Prägung – zwischen liebevoller Geste, gesellschaftlicher Erwartung und leichtem Augenrollen pendelt. In meinem Elternhaus hatte dieser Tag nie wirklich Gewicht. Die Haltung meiner Mutter war klar: Entweder man ist das ganze Jahr über aufmerksam – oder man lässt es.

Und so hat mich dieser Anlass zu einer Geschichte geführt, die kaum passender sein könnte. Einer Geschichte über eine Mutter, ihren Sohn – und eine Verkettung von Ereignissen, die zeigt, wie schnell aus Klarheit Chaos werden kann.

Aus Liebe geformt

Parvati erschafft sich ihren Sohn selbst. Nicht aus einem spontanen Impuls heraus, sondern aus tiefer Sehnsucht und schöpferischer Kraft. Ganesha ist nicht „gegeben“, er ist gewollt. Hier liegt genau darin schon ein erster Gedanke: Was wir bewusst in unser Leben holen, hat eine andere Qualität.

Dann kommt dieser fast beiläufig wirkende Moment: Parvati möchte ungestört sein und bittet Ganesha, die Tür zu bewachen. Eine klare Aufgabe. Eine klare Grenze.

Und Ganesha macht genau das, was man sich eigentlich wünscht: Er nimmt seine Aufgabe ernst. Sehr ernst.

Als Shiva nach Hause kommt und eintreten will, prallen zwei Wahrheiten aufeinander. Beide sind in sich stimmig. Beide sind überzeugt, im Recht zu sein. Und wie so oft im Leben eskaliert genau das, was niemand so geplant hatte.

Der Rest der Geschichte ist bekannt – und zugleich erstaunlich radikal. Ein Moment der Unachtsamkeit, der Wut, der fehlenden Kommunikation… und die Konsequenzen sind unumkehrbar. Zumindest auf den ersten Blick.

Denn was folgt, ist keine einfache „Reparatur“. Ganesha kehrt nicht einfach zurück in seine alte Form. Er wird verwandelt. Anders. Ungewöhnlich. Und genau dadurch zu dem, was ihn ausmacht.

Hier liegt der eigentliche Kern dieser Geschichte: Hindernisse sind nicht immer dazu da, beseitigt zu werden. Manchmal verändern sie uns so sehr, dass wir selbst zu jemandem werden, der anders mit ihnen umgeht.

Ganesha wird später als derjenige verehrt, der Hindernisse aus dem Weg räumt. Ist das nur die halbe Wahrheit? Vielleicht ist er auch derjenige, der uns zeigt, dass nicht jedes Hindernis ein Fehler ist – sondern manchmal ein Teil des Weges.

Und wenn man es ganz nüchtern betrachtet: Ohne dieses Missverständnis gäbe es heute keinen elefantenköpfigen Gott, der an jedem Anfang steht.

Auch eine Form von Ordnung. Nur eben nicht die, die man sich ursprünglich vorgestellt hat.

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